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Tanner

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Completed research project

Title / Titel Psychopharmaceuticals in clinic and society: agents, medical therapy and personality concepts in northeastern Switzerland (1950-1990)
PDF Abstract (PDF, 14 KB)
Original title / Originaltitel Psychopharmaka in Klinik und Gesellschaft: Wirkstoffe, medikamentengestützte Therapie und Persönlichkeitskonzepte in der Nordostschweiz (1950-1990)
Summary / Zusammenfassung Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert spielen die auf wissenschaftlicher Grundlage entwickelten Arzneimittel in der Medizin eine zentrale Rolle. Den Erfolgen in der somatischen Medizin entsprachen jedoch keine Durchbrüche bei der Therapie geistiger Störungen. Zwar wurde in der Psychiatrie schon seit dem 19. Jahrhundert mit chemischen Substanzen experimentiert. Erst anfangs der 1950er Jahre wurden jedoch die ersten Neuroleptika verfügbar, welche in der Folge nicht nur die psychiatrische Behandlungspraxis, sondern auch Krankheitsdefinitionen und therapeutische Leitbilder zu verändern begannen. Gleichzeitig boten andere Medikamente (Halluzinogene) die Möglichkeit, über experimentell angeleitete Bewusstseinsveränderungen Modellpsychosen zu erzeugen, was der Forschung neue Wege eröffnete. Mit Schlagworten wie „chemische Revolution“ (Roy Porter) oder „psychopharmakologisches Zeitalter” (Edward Shorter) wird versucht, diesen Wandel zu charakterisieren.
Der Medikamentengebrauch blieb nicht auf psychiatrische Kliniken beschränkt. Die Verwendung von Psychopharmaka in der Gesellschaft wurde in den 1960er Jahren durch eine Angebotsdifferenzierung verstärkt. Mit den Antidepressiva und Tranquilizern wurden neue Substanzen verfügbar, die als „kleine Helfer“ auch in verschiedenen Alltagssituationen der chemischen Moderation der eigenen Befindlichkeit dienten. Der Befund einer „Psychopharmakologisierung der Gesellschaft“ bezieht sich ebenso darauf wie die These, dass sich seit den 1980er Jahren neue Formen einer „neoliberalen Subjektivität“ durchgesetzt hätten, mit der ein verstärkter Konsum psychoaktiver Stoffe einherging.

Der Quellenkorpus setzt sich aus Verwaltungsakten und Krankengeschichten der psychiatrischen Universitätsklinik sowie der Poliklinik in Zürich zusammen. Akten der Kliniken in den Kantonen Basel, Thurgau und Aargau sowie der Pharmaindustrie dienen als Vergleich. Publizierte Quellen sind medizinische und psychiatrische Zeitschriften, populärwissenschaftliche Zeitschriften, Kongressberichte, Fachliteratur und Zeitungsmeldungen.
Keywords / Suchbegriffe psychotherapy, neurobiology, History of medicine, knowledge, History of psychiatry, Psychopharmacology, personality and enhancement, drugs, psychochemical agents
Project leadership and contacts /
Projektleitung und Kontakte
Prof. Dr. Jakob Tanner (Project Leader) jtanner@hist.uzh.ch
Prof. Dr. Daniel Hell hellsek@bli.uzh.ch
lic. phil. I Magaly Tornay magaly.tornay@gmx.net
lic. phil. I Katharina Brandenberger kat.brandenberger@access.uzh.ch
Funding source(s) /
Unterstützt durch
SNF (Personen- und Projektförderung)
Das Forschungsprojekt ist Teil des European Science Foundation Networking Program, Project „Standard Drugs and Drug Standards. A Comparative Historical Study of Pharmaceuticals in the 20th Century“.http://www.drughistory.eu/
Duration of Project / Projektdauer Apr 2008 to Mar 2011