Fakultäten » Philosophische Fakultät » Philosophisches Seminar » Allgemein » Prof. Dr. Georg Kohler (emeritiert) » Maiolino
| Title / Titel | Political Culture, Economy and Identity in the Western World | ||
|---|---|---|---|
| Abstract (PDF, 14 KB) | |||
| Original title / Originaltitel | Politische Kultur, Ökonomie und Identität in der westlichen Welt | ||
| Summary / Zusammenfassung | Pierre Bourdieu sagte einst, dass in der Postmoderne der „Triumph eines ungebremsten, zynischen Kapitalismus“ zu einem „Prozess der Rückbildung des Staates“ führe. Ist diese Aussage nur ein blankes Plädoyer für den Etatismus oder eine brisante Diagnose über den Zustand westlicher Wohlstandsgesellschaften, in denen vermehrt die Thematiken von Prekarietät, ökonomischer Selbstverwaltung und Selbstverantwortung an Bedeutung gewinnen? Im bourdieuschen Sinne sind wir Zeugen davon, wie unter dem Signum des Neoliberalismus das vom Staat verkörperte und durch die politische Kultur begründete oder konstituierte Gemeinwohl durch den Markt zurückgedrängt wird; wie also die Sphäre der Ökonomie zunehmend diejenige der Politik vereinnahmt und gleichsam die Rationalität der Regierung und die ihrer zustimmenden oder ablehnenden Bürger beeinflusst oder gar bestimmt. Angesichts dieser angeblichen Territorialisierung der Ökonomie zu Ungunsten des Staates wurde von einigen - wie dies etwa die „Gruppe von Lissabon“ 1997 tat - die Rückeroberung staatlicher Regelsetzung und politischer Handlungsspielräume gegen die Dominanz von Marktmechanismen eingefordert. Das der Triade von „Kultur“, „Politik“ und „Ökonomie“ inhärente Spannungsverhältnis zwischen neoliberaler Gouvernementalität und demokratischer Implementierung von Regeln, Normen und Gesetzen durch den Staat lässt sich meiner Meinung nach exemplarisch am Beispiel der Migration festhalten. In diesem Raum des Kommens und Gehens sind einerseits wirtschaftliche Pull-Mechanismen am Werk, die Leute aus anderen Ländern anziehen, und andererseits wird diese Anziehung von Staates wegen - durch demokratische Partizipation eines partikularen Teils der Gesellschaft - beispielsweise durch Verschärfungen der Ausländer- und Asylgesetze gebremst. Was in diesem Raum mit einer gewissen Virulenz ertönt, ist nicht nur der Schrei nach einer Verteidigung des Staates aus Furcht vor einer zunehmend einflussreichen und nach „Arbeitskraftunternehmer“ verlangenden Ökonomie oder vor einer damit verbundenen allfälligen kulturellen Kolonisierung seitens derjenigen, die die Gelöstheit des „Kommens“ und „Gehens“ noch nicht überwunden haben, sondern auch die unhörbar laute Frage nach der eigenen Identität, die sich an der Scheidewand des „Eigenen“ und „Anderen“ konstituiert. Mein Interesse kreist um diese Scheidewand und um die Relevanz, die sie einnimmt bei der Identifizierung der politisch bedeutsamen Identität und der damit verbundenen Ausgestaltung, Veränderung und Speisung politischer Kultur und politischer Prozesse. Zudem möchte ich auf die Schattenseite dieser Scheidewand, also auf die politischen, kulturellen und ökonomischen Interventionsmöglichkeiten der vom offiziellen politischen Prozess marginalisierten Akteure hinweisen. Hierfür scheint mir „politische Kultur“, verstanden als eine theoretische Dechiffrierungsschablone, die keine starre Form besitzt und die in der Applikation mit anderen theoretischen Schablonen aus der Philosophie, Geschichte oder Sozialpsychologie einen grösseren Erkenntnisgewinn produzieren kann, als geeigneter Dreh- und Angelpunkt meiner Untersuchungen. |
||
| Keywords / Suchbegriffe | Politische Kultur, political culture; Identität, identity; Ökonomie, economy; Gouvernementalität, gouvernementality; Migration, migration; Gemeinwohl, public welfare; civic culture; neoliberalism | ||
| Project leadership and contacts / Projektleitung und Kontakte |
|
||
| Funding source(s) / Unterstützt durch |
Universität Zürich (position pursuing an academic career) research assistant at Department of Philosophy; doctoral dissertation |
||
| Duration of Project / Projektdauer | Jan 2006 to Dec 2011 |